Aufschweißbiegeversuch (ABV) nach SEP 1390 – Normgerechte Schweißnahtprüfung im Stahlbau

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P. Maseberg
Qualitätsmanagement

Der Aufschweißbiegeversuch (ABV) ist ein etabliertes mechanisches Prüfverfahren im Stahlbau, um die Schweißnahtqualität, Festigkeit und Zähigkeit von tragenden Schweißverbindungen zu beurteilen. Besonders bei dickeren Baustahlplatten sorgt der ABV für Sicherheit in Konstruktionen wie Trägern, Stützen und tragenden Rahmen.

Warum wird der ABV gemacht?<

Beim Aufschweißbiegeversuch wird eine geschweißte Probe gezielt gebogen, bis sie Risse oder Brüche zeigt. Dadurch lässt sich erkennen, ob Schweißnaht und Grundmaterial unter Belastung stabil bleiben – ein entscheidender Nachweis für tragende Bauteile im Stahlbau.

Der ABV liefert wichtige Erkenntnisse zu:

  • Schweißqualität der Verbindung
  • Zähigkeit des Werkstoffs und der Schweißzone
  • Einhaltung technischer Vorgaben für tragende Konstruktionen

Normen: SEP 1390 und DBS 918002‑02

Der Versuch selbst wird nach der technischen Prüfvorschrift SEP 1390 durchgeführt. Diese beschreibt detailliert, wie die Probe vorzubereiten und geprüft wird, um eine reproduzierbare Beurteilung der Schweißnaht‑ und Materialeigenschaften zu ermöglichen.

Für den klassischen Stahlbau liefert die DBS 918002‑02 (Deutsche Bahn – technische Lieferbedingungen) konkrete Anforderungen zur Prüfung von Baustahlblechen. Laut DBS 918002‑02 muss für Baustähle der Güte S355J2+N der Aufschweißbiegeversuch werkseitig nachgewiesen werden, wenn die Blechdicke größer als 30 mm ist.

Wie läuft der Aufschweißbiegeversuch ab?

  • Probenentnahme:
    Ein Abschnitt eines geschweißten Stahlblechs wird für den Test vorbereitet.
  • Aufschweißen:
    Auf einer Seite wird eine Schweißnaht aufgebracht – dies ist der Bereich, der geprüft werden soll.
  • Biegeprüfung:
    Die Probe wird langsam gebogen, bis Risse auftreten oder eine definierte Verformung erreicht ist.
  • Bewertung:
    Die Schweißnaht sowie der angrenzende Werkstoff werden auf Risse oder Sprödbruch untersucht.

Ziel ist es, zu zeigen, dass die Schweißverbindung auch unter Biegebeanspruchung stabil bleibt und keine kritischen Versagensarten auftreten.

Praxisbeispiel aus dem Stahlbau

Stahlbauprojekte wie Hallenträger, Brückenprofile oder Trägerkonstruktionen erfordern zuverlässig geprüfte Schweißverbindungen. Gerade bei dicken Baustahlplatten (>30 mm) kann ein unzureichender Schweißprozess zu Rissen unter Belastung führen – mit hohen Risiken für die Konstruktion.

Durch den ABV lassen sich:

  • Qualität und Sicherheit der Schweißnaht nachweisen
  • Risiken von Materialversagen frühzeitig erkennen
  • Normkonformität gegenüber Auftraggebern und Prüfern dokumentieren

Fazit

Der Aufschweißbiegeversuch nach SEP 1390 ist ein zentraler Standardtest im Stahlbau, um die Tragfähigkeit und Zähigkeit von Schweißverbindungen objektiv zu prüfen. Die DBS 918002‑02 legt fest, dass dieser Test bei Baustahlblechen ab einer Dicke von über 30 mm durchgeführt werden muss, wenn Schweißnaht‑ und Materialfestigkeit nachgewiesen werden sollen. Damit trägt der ABV entscheidend zu sicheren und langlebigen Stahlkonstruktionen bei.

 

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